Wir brauchen einen Hundeführerschein
Der künftige Tierschutz-Beauftragte Berlins, Klaus Lüdcke, spricht sich für einen Hundeführerschein für alle Hundehalter der Hauptstadt aus, egal ob Mops oder Pittbull. Außerdem möchte er Ansprechpartner sein für alle Tierhalter und setzt auf Auffklärung, auch beim Hundekot auf der Straße.
Als erste Amtshandlung kündigt Lüdke an, den Import von Wildtieren nach Deutschland unterbinden lassen zu wollen. Mit dem neuen Tütschützer sprachen Georgina Hohenlohe und Stefan Schulz.
WELT ONLINE: Herr Lüdcke, haben Sie selbst Haustiere, und halten Sie sie artgerecht?
Klaus Lüdcke: Ich habe Leo, einen Entlebucher Sennhund, und acht Kanarienvögel. Ich gehe jeden Tag zwei Stunden mit Leo spazieren. Das hält uns beide fit. Und selbstverständlich haben die Vögel eine große Voliere, in der sie auch fliegen können. Das habe ich von meinem Vater gelernt, der die Vogelkäfige früher doppelt so groß baute, wie ich es eigentlich beabsichtigte.
WELT ONLINE: Was ist denn für Sie eine artgerechte Haltung?
Lüdcke: Die artgerechte Haltung entspricht der jeweiligen Tierart. So muss ein Vogel genug Platz zum Fliegen haben. Und der Hund als Lauftier sollte jeden Tag genug Auslauf bekommen.
WELT ONLINE: Ist ein 50 Kilogramm schwerer Hund in einer Ein-Zimmer-Wohnung in Berlin artgerecht?
Lüdcke: Wenn man nicht mit ihm läuft, ist das nicht artgerecht. In der Wohnung macht er nicht viel, da braucht er nur einen Platz zum Schlafen. Wichtig ist der Auslauf.
WELT ONLINE: Sie werden der neue Tierschutzbeauftragte. Worin sehen Sie denn die Schwerpunkte des Amtes?
Lüdcke: Ich möchte gerne der Ansprechpartner für all diejenigen sein, die sich mit ihren Sorgen um Tiere nicht im Dschungel der Verwaltung zurechtfinden. Darüber hinaus sehe ich mich als Vermittler unterschiedlicher Parteien. Ich habe mich schon gewundert, dass sich die verschreckten Bewohner eines Mietshauses an den Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses gewandt haben, weil sie Angst vor einer Schlangenzucht im Haus hatten. Da würde ich mich sofort einschalten. Ich würde das Gespräch suchen, um die Konflikte auf friedliche Art und Weise zu lösen.
WELT ONLINE: Was hätten Sie denn sonst gemacht?
Lüdcke: Erster Ansprechpartner wäre das Veterinäramt gewesen. Um diese Art der Kommunikationsschwierigkeiten zu beseitigen, ist ein Vermittler nötig. Darin sehe ich einen Teil meiner Rolle als Tierschutzbeauftragter.
WELT ONLINE: Die rot-rote Koalition möchte die Haltung giftiger Tiere in Wohnungen verbieten lassen. Richtig?
Lüdcke: Das geht mir zu weit. Früher wurde das oft mit dem Polizeigesetz geregelt. Ich bin generell gegen Überregulierungen. Das Problem sollte man lieber mit Gesprächen lösen. Darauf setze ich.
WELT ONLINE: Wie ist der Senat auf Sie als Tierschutzbeauftragter gekommen?
Lüdcke: Ich war schon immer im Natur- und Tierschutz engagiert, auch wenn ich nie eine eigene Tierarztpraxis hatte. Ich habe nie den Mund gehalten, damals nicht und heute auch nicht. So wurde ich schon Studentenvertreter. Ich musste niemanden ausbooten. Die Leute haben mir das zugetraut und dann habe ich das gemacht. So ist auch dieses Amt auf mich zugekommen. Zuletzt war ich im Tierschutzbeirat Berlins, das ist aber damals im Streit mit der zuständigen Senatsverwaltung aufgelöst worden. Dieses Vakuum wird jetzt mit dem neuen Amt beendet.
WELT ONLINE: Wie ist das Amt ausgestattet?
Lüdcke: Es wird eine Geschäftsstelle in der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz eingerichtet. Ich werde dafür sorgen, dass man eine Homepage einrichtet, die auch mit anderen Seiten verlinkt wird.
WELT ONLINE: Wann treten Sie Ihr Amt an?
Lüdcke: Wir sind uns einig. Eigentlich kann es schon am 1. Juni losgehen.
WELT ONLINE: Welche Aufgaben wollen Sie zuerst anpacken?
Lüdcke: Ich werde mich dafür einsetzen, dass keine Wildtiere mehr in die EU eingeführt werden dürfen. Ich halte es für überflüssig, Fische aus dem Amazonas hierher zu importieren, weil bis zu 90 Prozent der Fische sterben. Es gibt genug Fischzuchtvereine bei uns, die eine Artenvielfalt im Aquarium garantieren.
WELT ONLINE: Werden Sie eine Initiative dazu starten?
Lüdcke: Eine Initiative gibt es schon im Parlament. Ich bin dazu da, die Senatsverwaltung und die Fraktionen zu beraten. Ich will die Parteien mit den richtigen Leuten zusammenbringen.
WELT ONLINE: Was ist mit den Kampfhunden? Wie stehen Sie zur Frage der Haltung dieser Tiere?
Lüdcke: Hier geht es um den Schutz der Menschen und der Tiere. Da haben uns ein paar Verrückte ein Riesenproblem aufgehalst. Ich bin gegen eine Tötung der Tiere, da die Tierheime einen guten Job machen. Sie bemühen sich, vernünftige Herrchen oder Frauchen zu finden.
WELT ONLINE: Was empfehlen Sie?
Lüdcke: Mit einem Sachkundeausweis für Hundehalter, dem sogenannten Hundeführerschein, hätten wir das Problem nicht bekommen. So erhält man die nötige Sachkenntnis, wie man mit seinem Hund umzugehen hat. Es gibt genug Hundevereine, die das anbieten.
WELT ONLINE: Wie wollen Sie dafür sorgen, dass in Berlin weniger Hundekot auf den Straßen liegt?
Lüdcke: Ich selbst habe immer zwei, drei Tüten dabei, um das Problem zu beseitigen, und biete das auch gern anderen an. Aber viele schlagen das leider aus. Ich setze da auf mehr Aufklärung. Dazu gehört eben die Einführung des Hundeführerscheins.
WELT ONLINE: Sie klingen sehr optimistisch, Ihre Ziele auch mit der Verwaltung umsetzen zu können. Woher nehmen Sie diesen Optimismus?
Lüdcke: Ich habe gute Verbindungen zur Verwaltung und kenne da sehr gute Leute. Die Mitarbeiter sind engagiert. Ich habe gute Erfahrungen auch mit den Veterinärärzten gemacht.
WELT ONLINE: Was wünschen Sie sich als Berlins Tierschutzbeauftragter?
Lüdcke: Ich möchte, dass wir uns in Berlin über die Hunde freuen und dass wir keinen Ärger haben. Die miese Behandlung der Wildtiere muss aufhören. Da verliert das Tier seine Würde. Und im Zirkus sollten keine großen Tiere wie Bären oder Elefanten mehr gehalten werden. Wir müssen mit allen Tieren vernünftig umgehen, das beinhaltet die Haltung, den Transport, aber auch die Schlachtung.
Quelle: welt.de
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Quelle: berlinonline.de
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