Wenn Manager auf den Hund gekommen sind
Kommunikationstrainer setzen beim Erlernen von zwischenmenschlichem Verhalten auf Nachkömmlinge des Wolfs
LAUBACH/LICH (do). “Wer ist hier der Chef?”, fragt ein überlebensgroßer Mops von der Titelseite der Februar-Ausgabe des Lifestyle-Magazins “Dogs” von bundesweiten Zeitschriftenkiosken herunter. Unter der Rubrik “Psychologie” verrät Autorin Kerstin Baltin ab Seite 38, was hinter der provokanten Frage des Vierbeiners von Seite eins steckt: Es geht um das Trainingskonzept “Coach-Dogs” der Licher und Laubacher Kommunikationsberater Patricia und Boris Elfert, Nadja Merl-Stephan und Thomas Vinson.
Training für Führungskräfte
Vor sechs Monaten kamen sie mit einem neuen Training für Führungskräfte auf den Markt: Sie setzen auf Hunde als Schlüssel zum Erfolg. Seitdem geben sich Fernseh- und Radiostationen, Zeitschriften und Magazine die Klinke in die Hand – und große Konzerne sowie prominente Teilnehmer, die begeistert davon sind, was man in Sachen Kommunikation von den Vierbeinern lernen kann.
Vor wenigen Tagen filmten der hessische Rundfunk für seine Sendungen “Maintower” und die “Hessenschau” in der Herrenscheune in Laubach. In dem neuen Tagungszentrum des Grafenschlosses hatten sich sieben Teilnehmer versammelt, um mit dem Coach-Dogs-Team samt drei Hunden einen Tag lang Kommunikation zu trainieren.
Am 10. März hat sich “Vox”-Moderatorin Diana Eichhorn vom Magazin “Hund – Katze – Maus” angekündigt. Zu diesem Training erwarten die “Coach-Dogs” Führungskräfte aus der IT-, Pharma- und Chemie-Branche. Auch Friedericke de Jong von Knebel wird teilnehmen, berichtet Nadja Merl-Stephan, die als PR-Beraterin bei “Coach-Dogs” zuständig ist für Public-Relations und Kommunikationstraining. Ihre Marke ” Koko von Knebel” ist bekannt für ihre ausgefallenen Hundelifestyle-Läden auf Sylt sowie in Hamburg, Düsseldorf, Berlin und Kiel.
Das Motto der Koko-von-Knebel-Läden – “Every dog is a star” (”Jeder Hund ist ein Star”) – passt auch zu der Philosophie von “Coach-Dogs”. Dabei legen Patricia Elfert und ihr Team nach eigenen Angaben Wert auf Seriösität und stellen trotz des derzeitigen Medien- und Prominentenrummels um ihr Konzept die wissenschaftlich erarbeiteten Inhalte in den Vordergrund.
“Der gesamte Ausdruck zählt”Ihre These: Die Management-Kernkompetenz schlechthin ist die Fähigkeit zur Kommunikation. “Und hier geht es nicht nur um Reden. Der gesamte Ausdruck zählt. Wie wir auftreten. Wie wir wahrgenommen werden – mit allen Facetten”, erläutert Patricia Elfert, die Gründerin und Inhaberin von “Coach-Dogs”, die davor 16 Jahre bei Hewlett-Packard Vertrieb und Marketing, Beratung und Weiterbildung praktizierte.
Sie kam danach schnell auf den Hund: “Der Nachfolger des Wolfes macht es uns vor. Er beherrscht körpersprachliche Signale in ausgefeilter Präzision und kommuniziert geradezu brillant. Wir nutzen diese Kompetenz und setzen den Hund als Trainingspartner für Kommunikation, Führung, Teamwork und Konfliktmanagement ein”, ergänzt ihr Mann Boris, der in den USA und an der European-Buisiness-School im Rheingau internationale Betriebswirtschaft studierte. Thomas Vinson – Jurist, Betriebswirt und freischaffender Maler und Bildhauer – komplettiert das Team der Zweibeiner.
Hauptperson aber ist “Checheni Darkfirke from Mistery Castle”, der 2006 geborene Vierbeiner von der Rasse der “Rhodesian Ridgeback”. “Ein ausgesprochen erhabener, intelligenter Hund, der selbstsicher seine Möglichkeiten kennt und nutzt, stolz ist und eine tiefe Verbundenheit zu seinen Menschen hat”, wie es in seiner Vorstellung auf der Coach-Dogs-Website heißt.
Entscheidend für die Teilnehmer ist die Bereitschaft, sich auf ein ganz anderes Kommunikationsmodell einzulassen. “Menschen sind fokussiert auf Sprache. Darüber vergisst man, was wir unbewusst mit unserem Körper ausdrücken”, erinnern die Trainer. Hunde kommunizierten schwerpunktmäßig über Gesten. “Da gehen die Lefzen nur einen Millimeter hoch und schon weiß das Gegenüber, dass es gar keine gute Idee ist, den Knochen weg zu nehmen”, hat Patrica Elfert kürzlich in einem Interview mit dem Gießener Kommunikationsforscher Prof. Dr. Christian Zielke erklärt. “Menschen ignorieren Gesten und Körperhaltung gerne und wundern sich dann über das “komische Gefühl` nach einem Gespräch mit einem neuen Geschäftspartner”, macht sie deutlich. Dabei senden auch Menschen kleinste Signale aus, die das Unbewusste des Gegenübers als Ablehnung, Zustimmung, Ignoranz oder Freude interpretiert. Ignoriert man solche Signale, hat man den Kommunikationspartner meist schnell verloren.
“Hunde hinterfragen”"Hunde würden dies gar nicht lange durchgehen lassen, denn sie interpretieren und hinterfragen laufend während der Interaktion”, so die These, die in den Trainings immer wieder zu verblüffenden Ergebnissen führt. Etwa wenn ein erwünschtes Verhalten mit erhöhtem Druck erzwungen werden soll: Der Hund soll sofort kommen, dieser hat jedoch was anderes im Sinn. Also versucht Herrchen es mit Schreien – in der Regel ohne Erfolg!
Obwohl sie erst seit kurzem mit “Coach-Dogs” auf dem Markt sind, ist nicht nur das Medieninteresse groß. Was sicher auch daran liegt, das “Coach-Dogs”" von der IHK Gießen-Friedberg im Dezember zum regionalen Sieger der Gründeraktion “Die beste Geschäftsidee” ausgewählt wurde, einer Aktion des Deutschen Industrie- und Handelskammertages und der FAZ-Sonntagszeitung.
Quelle:giessener-anzeiger.de
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